Statement

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«Am Steinengraben und überall: Freie Bahn der Selbstverwaltung!»

STEINENGRABEN

Von Möglichkeiten und verpassten Chancen

 

Es wäre etwas möglich gewesen am Steinengraben, würden wir in einer weniger profitorientierten Welt leben. Wäre die gängige Logik nicht jene, dass Wohnen allgemein als Ware angesehen wird. Wären unsere Bedürfnisse und jene vieler von Aufwertung und Verdrängung Betroffener nicht nur gehört und “verstanden”, sondern politisch aufgenommen und umgesetzt worden. Es hätte ein starkes Zeichen sein können, für den Beginn einer sozialen Wohnpolitik, für ein solidarisches “Stadtwohnen”, für die Bedürfnisse von Vielen.

 

Doch unsere schlimmsten Befüchtungen wurden bestätigt: Die Tatsache, dass nach heutigem Rechtsstand ein Abriss der Wohnhäuser am Steinengraben als illegal taxiert werden muss und dennoch Zerstörung bevorsteht, lässt uns mit einem Gefühl der Ohnmacht und der Frustration zurück. Nach Jahren von bewegendem aktivistischem Engagement, der Anpassung des Wohnraumfördergesetzes und vier angenommenen Wohninitiativen, sollen wir vor die Tür gesetzt werden. Was wie ein Albtraum anmutet, widerspiegelt die entfesselte Verwertungslogik der Konzerne, dieser Stadt und seiner Regierung. Wir, die hier leben, und mühsam Mieten und Steuern mit viel zu langer Arbeitszeit aufbringen müssen, werden kaltgestellt und stehen trotz politischen Erfolgen am Ende als Verlierer*innen da.

 

Damit muss jetzt endlich Schluss sein!

 

Die rein wirtschaftlichen Interessen einer gigantischen Versicherungsgesellschaft dürfen nicht höher gewichtet werden als das Bedürfnis nach bezahlbarem Wohnraum. Wer die Argumente für einen Neubau der Helvetia mit menschenwürdiger Logik betrachtet, erkennt in Floskeln von Standortvorteilen und der Optimierung interner Abläufe, dass es darum geht, die Macht der Konzerne in das Stadtbild einzubetonieren. Von Seiten der Helvetia sind die finanziellen Mittel für alternative Geschäftsstandorte vorhanden, bei uns Mieter*innen gestaltet sich diese Suche schwieriger. Vor dem Hintergrund einer herrschenden Wohnungsknappheit können und wollen wir nicht akzeptieren, was am Steinengraben vernichtet und im Gegenzug geschaffen werden soll.

Der Steinengraben als Lebensraum ist etwas Einzigartiges, der nächste Büroklotz der Helvetia ist nicht einfach einer mehr, nein, er ist einer zuviel!

 

Was ebenfalls der gängigen Logik entspricht: Der hier auftretende Versicherungskonzern hat es Jahre lang vorgezogen, eine juristische Trennlinie zwischen sich und den am Steinengraben lebenden Menschen zu ziehen. Kommuniziert wurde nur via Anwälte. Die tatsächliche, menschliche Ebene wurde bewusst aussen vorgelassen. Daher muss auch eine öffentlich angekündigte Kontaktaufnahme zur „Hilfe bei Notsituationen“ als rein politisches Kalkül betrachtet werden. Seit dem Kauf hat die Helvetia die Häuser wissentlich verfallen lassen, während Mietverträge nur befristet aufgesetzt wurden. Kontaktaufnahmen seitens der Mieterschaft blieben unbeantwortet und das öffentliche Enagement führte zu Kündigungsandrohungen und Einschüchterungsversuchen, bis hin zur Überwachung der Bewohner*innen durch private Sicherheitsdienste. Die destruktive Strategie der Versicherung wurde für uns Bewohner*innen, neben der akuten Verdrängung, zu einer massiven Belastung.

 

STEINI SELBER MACHEN

Wir fordern, dass die Häuserzeile nicht der Abrissbirne zum Opfer fällt!

Am Steinengraben soll selbstbestimmtes Wohnen und Leben möglich bleiben und weiterentwickelt werden. Bewerkstelligen liesse sich dies durch eine Übernahme der Häuser durch eine Genossenschaft und die Verwaltung durch die Bewohner*innen. Wir fordern von der Regierung dieser Stadt, dass sie den neuen Verfassungsartikel ‘Recht auf Wohnen’ und ihre ‘angedeuteten’ Bemühungen zur Schaffung von bezahlbaren Wohnungen endlich geltend macht. Sie soll die Helvetia entschädigen und mit ihr andere Standorte prüfen.

 

Am Steinengraben und überall: Freie Bahn der Selbstverwaltung!

 

Steinengraben forever, capitalism never!