Statement

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«Stell dir vor...»

Kritischen Studierenden Basel

Stell dir vor, du lebst in einer WG. Stell dir vor, du studierst. Du arbeitest nebenbei auch, denn deine Eltern können es sich nicht leisten, dein komplettes Studium zu finanzieren. So sind deine Abende ausgelastet: meist mit Lernen und Arbeiten. Viel Zeit für Kreativität und Freundschaften bleibt da gar nicht. Obwohl ja von überall gesagt wird: Geniesse deine Studienzeit, so viel Freiheit wirst du nie wieder haben!

Stell dir nun auch vor, du hast in zwei Wochen Prüfungen. Da du sie letztes Jahr nicht bestanden hast, musst du sie nun bestehen. Sonst wirft die Uni dich raus. Und die Eltern freuen sich auch nicht darüber, fragen sich, ob du überhaupt das richtige studierst. Doch eigentlich weißt du, dass es das Richtige ist, was du machst. Du weißt, dass es dir eigentlich Spass macht, dich mit deinen Themen kritisch auseinanderzusetzen. Doch du weißt auch, dass du diese Prüfungen bestehen musst. Und das übt enormen Druck auf dich aus.

Als wäre das alles nicht genug, hat gestern das Telefon geklingelt. Es war deine Vermieterin. Sie wolle den Mietpreis erhöhen. Und zwar um zweihundert Franken. Dies mache sie nicht einfach aus Spass, sagte die Vermieterin. Sie wurde von der Stadt aufgefordert, die alten Badezimmer in den Wohnungen zu sanieren. Und das koste halt eben.

Du sitzt nun an deinem Schreibtisch, versuchst zu denken, versuchst dich auf die Prüfungen vorzubereiten. Doch du schaffst es nicht, denkst immer wieder an die Vermieterin, an die zweihundert Franken. Was sollst du tun? Ausziehen auf die Schnelle? Einfach noch mehr arbeiten gehen? Die Prüfungen sausen lassen? Viele Möglichkeiten gibt es nicht. Und keine davon ist befriedigend...

Studierende in Basel werden gleich doppelt getroffen: Einerseits werden durch Sparmassnahmen an der Universität die Lehr- und Lernbedingungen erheblich geschwächt. Lehrstühle werden wegoptimiert, Studierende werden nicht zum kritischen Denken angeregt, sondern auf Multiplechoice-Prüfungen vorbereitet.

 

Diese sich zunehmend verschlechternden Bedingungen führen zu einem erhöhten Druck auf die Lebens- und Wohnverhältnisse. So finden Studierende, die von zu Hause keine oder wenig Unterstützung (weil manchmal auch gar nicht anders möglich) erhalten, auch schlechter eine Wohnung oder ein Zimmer. Studierenden, die eigentlich interessiert an einer kritischen Auseinandersetzung mit ihrem Fach, mit ihrer Umwelt wären, wird die Zeit weggenommen: Sie müssen einer Lohnarbeit nachgehen, um Studiengebühren und Miete bezahlen zu können.

Andererseits sind Studierende durch die allgemein vorherrschende Verdrängung aus der Stadt betroffen. Wohnraum wird zerstört, um Besserverdienende anzulocken.

Aus diesen Gründen solidarisieren sich die Kritischen Studierenden Basel mit „Recht auf Stadt“ und beteiligen sich am Aktionstag am 20. Oktober.