Statement

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SCHANZE

Communiqué Schanze Schon lang scheint es her zu sein. Im Juli vor zwei Jahren wurde einer der buntesten Orte in Basel dem Erdboden gleichgemacht; die Schanze. Sie war nicht nur ein täglicher, autonomer Mittagstisch, die Schanze war ein Treffpunkt, ein Ort um zu verweilen, um Tage kreativ zu gestalten und Abende gemeinsam zu verbringen.  

Die kleine Imbissbude an der befahrenen Schanzenstrasse wurde am 06. September 2014 besetzt. Mit den Worten „Schanze - ein Sprung ins Neue - in Entstehung“ öffnete die lose Besetzer*innengruppe die Türen und lud das Quartier zur gemeinsamen Gestaltung und Organisierung ein. Am nächsten Tag entstand bereits morgens eine Küche und darauf folgte ein erstes Mittagsmahl. Die Pläne waren klar: es soll ein Ort entstehen, der für und mit dem Quartier gestaltet werden kann. Der belebt und zu einem Treffpunkt werden soll, um sich am selben Tisch auszutauschen und begegnen zu können. Bedürfnisse und Ideen für das Quartier sollen sicht-und hörbar gemacht und aus den eigenen vier Wänden getragen werden. Sogleich schrieben sich begeisterte Besucher*innen spontan in eine Kochliste für die ganze Woche ein. Aus der ersten Woche wurde dann knapp zwei Jahre tägliches Eintauchen in eine andere kleine Welt. Der Ort pulsierte, neue Gesichter entdeckten den Mittagsbetrieb und spätestens mit dem Abwasch des eigenen Geschirrs oder dem Eintragen in den Kochplan, wurden Besuchende zu Mitgestaltenden.

 

Die Verwalterin des Grundstückes, Immobilien Basel-Stadt, reagierte wohl wegen einer Phase der Planungsunsicherheit auf dieser Parzelle zurückhaltend. Wo sonst Zwischennutzungs- oder Sicherheitsunternehmen Leerstand vor kollektiver Aneignung schützen, wurde diese Besetzung vorerst toleriert.

 

An der Schanze konnten somit Pläne und Wünsche der Besucher*innen und Besetzer*innen, mit geringen Schikanen, in die Realität umgesetzt werden. Jeden Tag wurde gekocht und auf Kollekte gespeist. Das Essen wurde gecontainert oder von Bauernhöfen gerettet und verwertet. Dies provozierte kritische Auseinandersetzung mit der Konsumgesellschaft und unserer widersprüchlichen Position darin. 


Studierende, Lehrende und Lernende, jung und alt schneiten vorbei, genossen im kleinen Innenraum, oder an den Tischen auf dem Gehsteig, das leckere Essen und gingen dann wieder ihrem Alltag nach. Hie und da fanden Abends Konzerte statt, es wurde an der Feuerschale gesessen, in der selbstbeheizten Badewanne Glühwein geschlürft, auf dem Dach das Grossstadt-Leben beobachtet und immer wurde diskutiert, weitergebaut, gebastelt und gemalt. 
Der gemeinsame Raum, eine freie spontane Organisierung, lieferte kollektive Ansätze in Gemeinschaft für eine andere Welt zu kämpfen.

 

Doch leider neigte sich die Ära einem Ende zu. Die ETH reichte Ende des Jahres 2015 die Baueingabe für einen neuen Life-Sciences-Campus auf dem Schällemätteli-Areal ein, gleich hinter der besetzten Imbissbude. Im Winter 2019/20 soll der ETH-Neubau bezugsbereit sein. Aufwertungstendenzen zeigten sich rundherum aber bereits im vorhinein, es wurde fleissig „entwickelt“ im St.Johann-Süd. Mietshäuslein weg - Eigentumswohnung hin, Gassenzimmer weg - Yuppie-Bar hin. Sechs Monate später war es dann auch an der Schanze so weit. Nach vielen Gesprächen und Verhandlungsversuchen mit der Immobilien Basel-Stadt wurde die Entscheidung seitens der Stadt gefällt, die Schanze abzureissen. Zuerst wurde das kleine, bunte Häuschen umzäunt und somit für mehrere Wochen unzugänglich gemacht, bis es dann am 25. Juli 2016 endgültig zu Schutt zerlegt wurde. Die Besetzer*innen veranstalteten, kurz vor der Ankunft der Bagger, den letzten Apéro mit einer kritisch-satirischen Inszenierung der Verhandlungen von der renditeorientierter Immobilienverwaltung, der ETH und von uns, widerständigen Menschen.

 

Doch ganz nach dem Motto „Sie brechen ab, wir brechen auf“, endete die Zeit der Schanze nicht mit dem Abriss. Die Besetzer*innen zogen weiter als autonomes Kochkollektiv, gestalteten einen Erlebnisreichen Sommer und waren auch im Jahr darauf wieder an so manchen neu entstandenen Orten anzutreffen. Obwohl es ein schwerer Verlust ist und bleibt, die Schanze lebt weiter. Sie lebt weiter, um an hundert anderen Orten neu zu entstehen!  

 

Gestern wie heute...                         *Schanze im Härze*                                  ...Stadt selber machen!