Statement

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IGBW

«Für bedingungsloses Wohnen in selbstverwalteten Gemeinschaften»

Die IG-Bedingungsloses Wohnen ist eine gemeinnützige Organisation, die sich für die Erhaltung und Entwicklung von selbstbestimmtem Wohnraum einsetzt. Dies sind unsere Vorstellungen zu einer von den Bewohner*innen selbst gemachten Stadt.


In selbst verwalteten Wohngemeinschaften das Quartier zu beleben ist ein grosses Bedürfnis in der Stadt Basel. Für viele Stadtbewohner*innen ist es ein wichtiges Anliegen, viel Zeit und Energie in die Gestaltung ihres unmittelbaren Lebensraumes zu stecken. Wir wollen die Herausforderungen des Alltags entgegen der allgemeinen Tendenz der Vereinzelung zusammen in der Gemeinschaft bewältigen. Seien es Renovierungsarbeiten, Mittagstische, öffentliche Werkstätte, Gemeinschaftsgärten, die Betreuung von Kindern und älteren Menschen, Diskussionsrunden, Organisation von Strassenfesten, Computerworkshops, gegenseitige Unterstützung bei verschiedensten persönlichen Problemen usw. Solch grundlegende Arbeiten müssen nicht in durch anonyme, kommerzielle Dienstleistungen geschehen. Sie können in einem gesunden Mikrokosmos in selbstbestimmter Form getragen werden. Ein solches Zusammenleben bedeutet nicht nur für alle Gemeinschaftsmitglieder soziale Sicherheiten und Entlastung sondern haucht der Stadt erst echtes Leben ein und bestimmt wesentlich ihren Charakter. Es kann nur in selbstbestimmten Wohnverhältnissen wachsen und gedeihen. Bedauerlicherweise wird dieser Lebensentwurf von der Regierung nicht toleriert und durch die vorlaufende Vermarktung der Stadt bewusst zerstört.

 

In der IGBW engagieren sich diverse auf verschiedene Arten von Verdrängung betroffene Menschen für das Leben in selbstbestimmten Gemeinschaften. Wir halten durch Besetzungen entstandene und stets neu entstehende selbstbestimmte Räume für ein wichtiges und wertvolles Element der Stadt Basel. Die selbstverwaltete Nutzung von Raum ist ein absolut legitimes politisches Mittel und der einzig sinnvolle Umgang mit Leerstand. Die aktuelle Stadtentwicklung in Basel liefert dringende Gründe, die für diese Praxis sprechen:


Unsere Bemühungen in den offiziellen Institutionen reichen offensichtlich nicht aus,  damit unsere Bedürfnisse ernst genommen werden. Auch Gemeinschaften wie der Steinengraben, die bis vor Bundesgericht gingen, finden kein Gehör. Selbst die Umsetzung der 4x-Ja Kampagne scheint die Vermarktung unseres Lebensraumes im besten Falle schwach zu dämpfen. Von direkter Mitbestimmung von unten ist sie noch weit entfernt. Durch den zivilen Ungehorsam in Form von Besetzungen wird die direkte Mitgestaltung des städtischen Wohnraumes konkret ermöglicht. Die Wohnpolitik der Regierung setzt mittlerweile sogar auf Zwischennutzungen von der Projekt-Interim GmbH, die mit höchst fragwürdigen Gebrauchsleihverträgen den Bewohner*innen das Mietrecht entziehen. Durch Zwischennutzungsunternehmen verwalteter Raum ist das genaue Gegenteil der Selbstverwaltung. Direkte Selbstbestimmung wird verhindert, der Wohnungsmarkt flexibler und dadurch noch attraktiver für Spekulation. Um die Schäden dieser Politik an unserem Stadtleben in Grenzen zu halten, müssen wir jetzt aktiv werden und selbstbestimmte Räume direkt durch Hausbesetzungen schaffen. 


Gemeinschaften brauchen Raum zum Entstehen und Zeit zum Wachsen. Sind sie einmal da, müssen sie als höchst schützenswertes Gut betrachtet werden. Beim Blick in die Vergangenheit spricht jedoch nicht nur die systematische Zerstörung von selbstbestimmten Räumen durch die Regierung für das politische Mittel der Besetzungen. Auch etablierte selbstverwaltete Projekte und Genossenschaften, wie z.B. an der Wasserstrasse, hätten ohne ihren Auftakt in Form einer Besetzung nicht entstehen können. Die selbstbestimmte Nutzung von Leerstand bietet auch Nährboden für solch langfristige, sich stets wandelnde Gemeinschaften. 


Eine weitere Dringlichkeit für Besetzungen entspringt aus dem Verhalten der Kantonspolizei Basel-Stadt. Obwohl sich die Wohnungsnot rasant zuspitzt und die Aufwertungsspirale in immer schnelleren Zyklen die weniger privilegierten Menschen aus der Stadt verdrängt, fährt die Polizei gleichzeitig eine Nulltoleranz Schiene. Seit zwei Jahren sind Besetzungen in Basel mit spürbar grösserer Repression konfrontiert. Obwohl der Raum dringend benötigt wird, verweigert die Polizei den Dialog mit den Besetzenden, räumt innerhalb von wenigen Stunden mit einem Grossaufgebot und bestraft die angetroffenen Personen mit bis zu zwei Tagen Untersuchungshaft. Unabhängig davon wie lange eine Immobilie bereits leersteht oder schon besetzt ist, wird auf Vorrat geräumt. Im Fall der Schwarzwaldallee 269 stellte die Polizei nach zweieinhalb Jahren Duldung und ohne ein Ultimatum über zehn Menschen über Nacht auf die Strasse. Nur damit das Wohnhaus heute über ein Jahr nach der Räumung immer noch leer steht. Die zwei Besetzungen der seit 17 Jahren leerstehenden Wohnhäuser an der Hardstrasse 112-116 wurden innerhalb weniger Stunden geräumt. Anscheinend hatte die unverzügliche Wiederherstellung des Leerstandes bei der Polizei höchste Priorität. Solche Beispiele illustrieren, wie absurd der Umgang mit Besetzungen geworden ist und wie sehr dieser die bestehenden sozialen Probleme noch verschärft. Solch ein Vorgehen lässt sich nicht rechtfertigen und darf nicht zum Standard werden. Deshalb ist es wichtig, jetzt für selbstbestimmte Wohngemeinschaften einzustehen, weitere Besetzungen zu lancieren und diese Praxis als wertvoller Teil der Stadtentwicklung zu bewahren. 

KONTAKT:

Interessengemeinschaft Bedingungsloses Wohnen
igbedingungsloseswohnen@sichermail.ch


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